Helicobacter pylori Infektionen

Was ist eine Helicobacter pylori Infektion:

Barry Marshall und John Robin Warren (Australien) entdeckten Helicobacter pylori (H.p) im Jahre 1983. Aber erst 1989 wurde das Bakterium weltweit als Ursache von Magen-und Zwölffingerdarmgeschwüre anerkannt. Dafür erhielten die beiden Entdecker im Dezember 2005 den Nobelpreis für Medizin.

Helicobacter pylori ist ein Bakterium, welches sich in der Magenschleimhaut einnistet und einen natürlichen Schutz gegen die sonst zerstörend wirkende Magensäure bietet. Ein von Helicobacter pylori gebildetes Toxin begünstigt die Entstehung von Magengeschwüren. Zusätzlich bildet Helicobacter pylori eine Substanz, die in den Stoffwechsel der Magenschleim-hautzellen eingreift und indirekt dafür sorgt, dass zu viel Magensäure produziert wird. Es kommt zu einer chronischen Entzündung.

Welche Folgen hat die Helicobacter pylori Infektion:
(Nach den neuen S3 Leitlinien der DGVS 2009)

Magenschleimhautentzündung ( Typ B - Gastritis):
Bis zu 90 Prozent aller akuten und chronischen Magenschleim-hautentzündungen (Magenschleimhautentzündung -> Gastritis) werden durch Helicobacter pylori hervorgerufen. Die Infektion bleibt ohne Behandlung lebenslang bestehen.

Magenulkus ( Ulcus ventriculi ):
Bei einem Magengeschwür sind bis zu 40-80 Prozent der Betroffenen mit Helicobacter pylori infiziert.

Duodenalulkus ( Ulcus duodeni ):
Bei Zwölffingerdarmgeschwüren sind ca. 90 Prozent der Ulcerationen Helicobacter pylori bedingt.

Die übrigen Geschwüre gehen auf das Konto von Medikamenten (z.B. Schmerz- und Rheumamittel) oder sind durchblutungs-bedingt.

Magenkrebs ( Magenkarzinom ):
Die Beteiligung beim distalen Magenkarzinom ist gesichert. Während die meisten Magenkarzinome Helicobacter pylori besiedelt sind, entwickeln dennoch nur ungefähr 1 Promille aller Helicobacter Infizierten ein Magenkarzinom. Betroffene und Familienangehöre von Magenkrebs erkrankten sollten daher einer Helicobakter Behandlung zugeführt werden.

Magen-Lymphom (MALT-Lymphom):
Die Behandlung des Helicobakter Keimes ist die initiale Theraphie der Behandlung. Frühformen können hierdurch bereits geheilt werden.

Helicobacter pylori wann und wie behandlen:

Eine Eradikation ist eine Behandlung, die das Ausmerzen des Keimes im Magen zum Ziel hat. Folgende Erkrankungen sollten eradiziert werden:

Gesicherte Indikation bei nachgewiesener Infektion (H.p. psoitiv):
  • Magengeschwüre (Ulcus ventriculi)
  • Zwölffingerdarmgeschwüre (Ulcus duodeni)
  • MALT-Lymphome des Magens (im Stadium I Heilung in 70-80 Prozent)
  • Atrophischer Gastritis.
    (Durch die Eradikation kann die Gastritis geheilt werden. Metaplasie und Atrophie sind nicht weiter progredient)
Empfohlene Indikation
  • Verwandte 1. Grades von Patienten mit Magenkarzinom
  • fakultativ bei funktioneller Dyspepsie (Reizmagen)
  • Ideophatischer thrombozytopenischer Purpura
  • Morbus Menetiere
  • lymphozytärer Gastritis
  • Eisenmangelanämie
Uli Tappe und Dietrich Hüppe hatten am Samstag, 22. Juni 2013, ein Auftritt im WDR III, Lokalzeit Dortmund zum Thema Helicobacter pylori. Wenn Sie Interesse an dieser Sendung haben, können Sie sich die Sendung hier ansehen.


Folgende Therapieschemata stehen zur Verfügung:

Therapieschemata für die Erstlinientherapie

 Standard "French triple"  Standard, "Italian triple"
PPI (2 X Standarddosis/Tag)
Clarithromycin (2 X 500 mg/Tag)
Amoxicillin (2 X 1g/Tag)

Für 7 Tage (z.B. ZacPac®)
PPI (2 X Standarddosis/Tag)
Clarithromycin (2 X 250-500 mg/Tag)
Metronidazol (2 X 400-500 mg/Tag)

für 7 Tage
Sequenztherapie Vierfachtherapie
Tag 1-5: PPI (2 X Standarddosis/Tag)
Amoxicillin (2 X 1g/Tag) Tag
Tag 6-10: PPI (2 X Standarddosis/Tag)
Clarithromycin (2 X 500 mg/Tag)Metronidazol (2 X 500 mg/Tag)
PPI (2 X Standarddosis/Tag)
Amoxicillin (2 X 1g/Tag)
Clarithromycin (2 X 250-500 mg/Tag)
Metronidazol (2 X 400-500 mg/Tag)
für 7 Tage


Zweitlinientherapie

Reserveschema:
duale Hochdosistherapie
Reserveschema:
Levofloxacin-basiert, 3-fach
PPI (3x 40 mg Omeprazol/Tag)
Amoxicillin (3 x 1g/Tag)

Für 14 Tage
PPI (2 x 40 mg Esomeprazol/Tag)
Amoxicillin (2 x 1g/Tag)
(bei Penicillinallergie:
Rifabutin 2x 150 mg/Tag)
Levofloxacin, 1 x 500 mg/Tag
Für 10 Tage
Reserveschema:
Rifabutin-basiert, 3-fach
Reserveschema:
Quadrupeltherapie
PPI (2 X 20 mg Esomeprazol/Tag)
Amoxicilin (2 X 1 g/Tag)
Rifabutin (2 X 150 mg/Tag)

Für 7 - 14 Tage
PPI (2 X 1 Standarddosis/Tag)
Tag 1-14

Wismutsalz  (4 X 120 mg/Tag)
Tetrazyklin (4 X 500 mg/Tag)
Metronidazol (3 X 400 mg/Tag)
Tag 4-14
Das Wismut haltige
Quadrupelschema ist im Handel erhältlich als

Pylera ®        3-3-3-3 Kps. tgl. und
Omeprazol®  20 mg 1-0-1 für 10 Tage
Reserveschema:
Moxifloxacin-basiert, 3-fach
PPI (2 X 20 mg Esomeprazol/Tag)
Amoxicilin (2 X 1 g/Tag)
Moxifloxacin (1 X 400 mg/Tag)

Für 7 - 14 Tage  ( Erfolg  78-95 %)


Therapie bei Kindern  

Omeprazol 1 (bis 2) mg/kg/Tag
Amoxicillin 50 mg/kg/Tag
Clarithromycin 20 mg/kg/Tag

für 7 Tage
(maximal 40 mg) in 2 Dosen
(max. 2 g) in 2 Dosen
(max. 1 g) in 2 Dosen
Standarddosen für Protonenpumpen-hemmer (PPI):
20-40 mg Omeprazol
30 mg Lansoprazol
40 mg Pantoprazol
20 mg Rabeprazol
20-40 mg Esomeprazol    
Quellen:

1. Zeitschrift für Gastroenterologie 1996;34:392-401)
2. Dtsch. med. Wochenschr 2004; 129: 443-446
3. Fischbach et al, S3 Leitlinien Helicobakter pylori... Z.Gastroenterol 2009; 47: 68-102

Der Erfolg der Behandlung sollte durch Gastroskopie (Goldstandard bzw. beste Methode), C13-Atem-Test oder Stuhltest 4-6 Wochen nach Eradikation kontrolliert werden.

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